Review: MASTODON meldet sich mit „Once More ’Round The Sun“ zurück!

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Review: MASTODON meldet sich mit „Once More ’Round The Sun“ zurück!

MASTODON sind die Erben einer Musikrichtung, für die man einfach gemacht sein muss – oder man hat Nerven wie Drahtseile. ODER: Man besorgt sich die neue Platte der Amis, denn der Sludge-Anteil ist auch 2014 weiter geschrumpft. Hört sich irgendwie paradox an, ist aber bei Gott kein Kritikpunkt, denn das aktuelle Album macht sonst so einiges richtig. Auch wenn es die eingefleischten Fans vielleicht (abermals) ein klein wenig verstimmen könnte …

Sludge im Lauf der Zeit …

Vor drei Jahren erblickte der letzte Output der Progressive-Sludge-Metalheads MASTODON das Licht der Welt. Obwohl viele Fans das Fehlen der – für die damalige Band prägnanten – Sludge-Elemente auf „The Hunter“ schmerzlich vermisst haben, bleibt eine Sache unumstritten: Die vier Herren aus Atlanta haben mit dem 2011er-Longplayer u. a. die amerikanischen Top 10 der Album-Charts geknackt (in Österreich stieg die Scheibe auf Platz 23 ein!), Preise abgestaubt und wurden von renommierten Musikmagazinen mit dem Titel „Album des Jahres“ geehrt. Wow! Also doch einiges richtig gemacht, oder was bemängelt die Fangemeinde? Dass man sich weg von abgespacten Songschemata, hin zu Zitaten aus dem Classic Rock und Abstecher in den rohen Death Metal entwickelt hat? Oder, dass die Band plötzlich in den (unbewussten) „Kommerz“ abschweift?

MastodonDiscography

Joa, das ist so eine Sache. Werfen wir einen Blick noch weiter zurück in die Vergangenheit, 2004 („Leviathan“) oder 2006 („Blood Mountain“): Sludge in Reinkultur und massigst Progress wo man hinhörte. Eine wahre Stampede wurde von diesem ausgestorbenen Tier (und heute auch nicht minder weit verbreiteten Musikgenre) in unsere Hörgänge geschossen. Der Trend sprach sich herum und wo der Tausendtonner aufstampfe, wurde ihm Gehör geschenkt – vielleicht zu schnell, vielleicht zu viel. Denn: Mit „Crack The Skye“ von 2009 wuchsen Ikarus plötzlich Flügel und – mathematische Flugbahnen ins Überirdische einkalkuliert – schoss über das Ziel hinaus.

Dann der harte Aufschlag: Der Sludge ist beinnahe gänzlich einem dissonanten Progressive-Klang gewichen, der eher an TOOL und KING CRIMSON erinnert. Was die Sache für ungeschulte Ohren nicht unbedingt einfacher zum Hören machte, jedoch die Songstruktur wesentlich simpler wirken lies (ja, den Abschnitt werdet ihr ggf. noch einmal lesen müssen ^^) und eben so ein breiteres Publikum ansprach. „Yay, MASTODON hören ohne Kopfweh! Ist doch gar nicht so übel, oder?“ 😛

Plötzlich kam es einem so vor, als wäre MASTODON salonfähig gemacht worden. Trotz alledem: „The Hunter“ ist zurecht vielprämiert worden und hatte auch extrem lässige Singleauskopplungen zu bieten (u. a. die Ohrwurm-Nummer „Curl Of The Burl“).

… und was 2014 noch davon übrig ist

 

Mastodon - Once More 'Round The Sun

Release: 20. Juni 2014
Label: Reprise

Tracklist:
01. Tread Lightly (5:14)
02. The Motherload (4:59)
03. High Road (4:15)
04. Once More ‚Round The Sun (2:58)
05. Chimes At Midnight (5:32)
06. Asleep In The Deep (6:12)
07. Feast Your Eyes (3:23)
08. Aunt Lisa (4:08)
09. Ember City (4:59)
10. Halloween (4:39)
11. Diamond In The Witch House (7:49)

Wie auch in der Vergangenheit – und in der Branche üblich – entwickelt eine Band ihren musikalischen Stil weiter. In unserem Fall hier, dürfte jetzt allen klar sein was der Haken ist. Doch auch beim neuen Album „Once More ’Round The Sun“ wird dieser eingeschlagene Weg kontinuierlich in eine Fahrtrichtung beibehalten: Geradlinig. So minimalistisch wie bei dieser CD, ist der Unterschied zum Vorgängerwerk echt noch nie ausgefallen. Auch wenn das Albumcover an einen „psychedelischen Albtraum“ erinnert (so auch ungelogen die Worte des, aus Oakland stammenden, Illustrators Skinner – checkt seine Page!), müssen sich Fans mit einem sehr simplen Soundgefilde zufrieden geben. Aber Halt. Soll das jetzt heißen, dass der neue Longplayer ein Schuss in den Ofen geworden ist!? Nope, im Gegenteil: Alles was Hardcore-Fans so schmerzlich vermissen, kann jetzt mit supertighten Hooklines wettgemacht werden!

Bis zur Sonne … und noch viel weiter!

Für manche vielleicht ein schwacher Trost, aber spätestens mit der zweiten Nummer „The Motherload“ ist der Band ihr wohl eingängigstes Stück in der gesamten Banddiskografie gelungen! (Überzeugt euch bitte selbst: Der Song ist so abgefuckt genial! – Bis dato mein „Song des Jahres 2014“, mal schaun’ ob sich das noch ändern wird 😉 ) Wer MASTODON bisher noch nicht kannte und jetzt eigentlich nicht so recht weiß was ihn erwartet – aber auch Leute, die sich zum Fachkreis zählen –, der kann sich einer Sache aber dennoch bewusst sein: Diese Band bleibt sie selbst. Wurscht wie „einfach“ ihre Tracks auch wirken möchten, diese Kapelle hört man nicht einfach so im Vorbeigehen, denn dafür ist sie trotz aller „Simplicity“ viel zu komplex. (Wie bereits gesagt, bei MASTODON ist Paradoxität vorprogrammiert.)

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Wurde das Vorgängerwerk noch von Mike Elizondo (DR. DRE, EMINEM) produziert, vertrauten sich die Burschen seit Ende 2012 keinem geringeren als Nick Raskulinecz (FOO FIGHTERS, MARILYN MANSON, COHEED & CAMBRIA) an, der ihrem neuen Opus gehörig Rockattitüde einhauchte. Wer ALICE IN CHAINS oder DEFTONES mag, wird hier richtig gut bedient. Die Gitarren dominieren das Spielfeld, Experimental trifft auf Indie und Math Rock. Seit eh und je sorgen natürlich die mastodon’schen Vocal Parts von Brent Hinds (Gitarre) und Troy Sanders (Bass), neben den furiosen Drumgewittern von Brann Dailor und Shred-Soli von Bill Kelliher (Gitarre) klar für den größten Wiedererkennungswert.

https://www.youtube.com/watch?v=L4PztrhXkXo
Hier könnt ihr euch bereits ein Bild der ersten Single „High Road“ machen!

Satte 54 Minuten rotiert der Silberling im CD-Player und fetzt unbarmherzig auf alles ein, was sich ihm in denWeg stellt. Es wirkt fast so, als wollen die Jungs einfach nur „Fickt euch!“ sagen: Ob „High Road“, der Titeltrack „Once More ’Round The Sun“ oder „Ember City“, hier spürt man die Brachialkraft der Band – ob mit oder ohne dem verdammten Sludge. Und wer mit dieser Band immer noch seine Acid-Trips verarbeiten möchte, der wird bei „Diamond In The Witch House“ (knapp acht Minuten!), „Asleep In The Deep“ (immerhin sechs Minuten lang) oder dem Up-Tempo-Track „Feast Your Eyes“ feinstens bedient. Vielleicht gibt’s jetzt wieder Pluspunkte von den Hatern? 😉

Conclusion

Wer bei „The Hunter“ abgefeiert hat und/oder erst hier seinen Zugang zu MASTODON gefunden hat, der wird mit „Once More ’Round The Sun“ mehr als happy sein. Wer’s bis dato nicht kannte, sollte schleunigst die Bildungslücke schließen!

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Die Veteranen unter den Fans bekommen – neben den paar Mini-Sludge-Abstechern; verdammt, sie geben sich ja eh Mühe! – immer noch ein Rockbrett in die Gosch’n geschnalzt, dass das Kiefer nur so kracht! An der Einzigartigkeit der Band kann man trotz allem nicht rütteln, denn egal wie vertrackt psychedelisch, bewusst reduziert oder radikal rockig sie auch sein mögen, eine enorme Faszination strahlen sie allemal aus!

 



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