Wie sich GROW HOME in mein Herz kraxelte

Review


Wie sich GROW HOME in mein Herz kraxelte

Vorweg, ich bin kein PC-Spieler. Früher habe ich meine Rechner noch selbst zusammengebaut aber irgendwann bemerkte ich, dass es ziemlich ins Geld geht, sich ständig die neuesten Grafikkarten nachzurüsten, Treiber für Dieses und Updates für Jenes zu installieren – nachdem man sie Stunden zuvor oftmals manuell in den Unweiten des Web suchen musste – und dennoch nie vollends glücklich mit seinem aktuellen Setup sein konnte. Auf Konsole war das nie ein Problem: Die hat man einfach sechs Jahre, danach kommt die nächste Generation. Leider leider gibt es aber nicht jedes Spiel für die PlayStation, Xbox und Wii U und man ist somit gezwungen, auch seinen PC halbwegs aktuell zu halten. Ich rede jetzt nicht von Maschinen die Hardwarefresser wie The Witcher 3, GTA V oder dergleichen packen, aber von einem Gerät, das zumindest mit den ganzen Blizzard-Games wie World of Warcraft, Hearthstone und dem endgenialen Heroes of the Storm zurechtkommt. Ja, ich habe mir einen ziemlich teuren, wenn auch verhältnismäßig leistbaren Laptop gekauft, nur um ausschließlich Spiele dieser Schmiede spielen zu können. Nebenbei komme ich freilich in den Genuss von Steam und bin superhappy, dass ich doch einen Windows Rechner daheim habe – mit meinem Mac kann ich ja leider Gottes nix anfangen, außer darauf halbwegs flüssig zu arbeiten. Gut so, denn dann wäre mit ein Spiel wie Grow Home entgangen …

Von Pflanzensamen und Kristallen

Eben genanntes Grow Home ist ein kleines aber feines Spielchen für Zwischendurch, das unheimlich beruhigend für die Nerven ist (manchmal hackt es, aber das ist okay) und einen Mordsspaß macht, so man sich auf das minimalistische Gameplay einlässt. Beginnen wir mit den Basics: Als Spieler übernimmt man die Kontrolle eines kleinen Roboters namens B.U.D. (Botanical Utility Droid) der fernab seines Heimatplaneten auf Erkundungstour durchs Weltall düst. Auf der Suche nach einer besonderen Spore, die den Fortbestand einer ganzen Zivilisation sichern soll, landet man auf einem utopischen Fleckchen Welt, auf dem eine exotische Fauna und Flora gedeiht. Scheint ein fruchtbarer Ort zu sein, bestimmt wird der kleine Droide dort fündig.

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Und schwupps, findet er sich im Abenteuer seines Lebens wieder. Weil das Raumschiff nicht mehr funktionstüchtig ist, muss er eine gigantische Bohnenranke, „Starplant“ genannt, zurück ins All wachsen lassen und nebenbei den Samen dieser wundersamen Pflanze finden, sowie Kristalle sammeln, um sein Funktionsspektrum zu erweitern. Hört sich einfach an, ist es auch – aber bringt ruhig ein bisschen Geduld mit.

B.U.D. bewegt sich physikalisch korrekt durch die Welt und hat zu Beginn des Spiels nur wenige Bewegungen drauf. Laufen und klettern gehört zu den Grundfähigkeiten des kleinen Wichtes, springen oder gar fliegen kann der Gute (noch) nicht. Nach und nach findet man auf seiner Erkundungstour glitzernde Kristalle, die überall in der Welt verstreut sind (sie zu finden ist echt nicht schwer, da man ihr helles Leuchten schon von Weitem sieht) und langsam seine Batterien aufladen und neue Funktionen, wie z.B. ein Jetpack, freischalten.

Ein Klettermax der Elite-Liga

Am wichtigsten sind im Spiel aber bestimmt B.U.D.s Arme. Mit denen kann man greifen und sich an nahezu jeder Oberfläche festhalten, man kann Gegenstände einsammeln und aktiviert Checkpoints. Letztere sind überall im Spiel platziert und dienen lediglich dazu, sich wieder an bereits besuchte Abschnitte zurückzubeamen, so man versehentlich von der Pflanze fliegt und kilometerweit gen Erdboden kracht. Wer es von ganz unten nochmal bis auf 2.000 Meter schaffen möchte, würde ohne Checkpoints wahrscheinlich aus der Haut fahren – und quasi das Spiel von Null an neu beginnen. Gegenstände wie z.B. Gänseblümchen oder Blätter, werden in eurem Rucksack verstaut und beispielsweise dazu genutzt, um durch die Lüfte zu schweben oder einen Sturz aus großer Höhe, wie mit einem Fallschirm, abzufedern.

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Hauptziel des Spiels ist es also, diesen Samen zu finden. Der befindet sich in luftiger Höhe, auf einer der unzähligen im Himmel herumfligenden kleinen Inseln. Wie man dorthin gelangt? So man sich auf einen der vielen Auswüchse der Pflanze hantelt und sich dort an die Knospe klammert, beginnt diese, ihre Ranken wachsen zu lassen und man kann sie kurzzeitig in alle beliebigen Richtungen steuern. Auf diese Art und Weise vegetiert der XXL-Stängel in den waghalsigsten Formen vor sich hin und zaubert zudem ein atemberaubendes Bild auf eure Screens. Falsch machen kann man dabei nicht wirklich etwas, es ist auch nicht möglich einen generellen Lösungsweg für dieses Spiel zu beschrieben, da man die Ranken wie gesagt x-beliebig wuchern lassen kann und nur darauf achten muss, sie von Zeit zu Zeit an eine der Inseln andocken zu lassen – um die Starplant mit Energie zu versorgen und so ihr Wachstum gen Himmel voranzutreiben.

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Filigrane Herumfummelei

Grow Home spielt sich am Besten in Verbindung mit einem Gamepad, wahlweise mit dem Controller der Xbox One, der sich ja bekanntlich via Kabel mit jedem Windows PC verbinden und nutzen lässt. Zwar ist das Spielen mit Tastatur und Maus auch möglich, aber es ist eine ziemliche Herumfummelei. Deswegen beschränkte ich mich beim Zocken auf die Controller-Variante, die ich an dieser Stelle näher erkläre. Mit dem Analogstick stolpert der kleine Held durch die Welt. Anfangs wirkt er zugegeben wie ein Haufen Blech, der sich über den Boden wuzelt, doch bald schon entpuppt sich das Gameplay mit der physikalisch korrekten Engine als ziemlich genial – übrigens gewollt so, denn die Programmierer bei Ubisoft Reflections (die Schmiede die sich u. a. für Driver, The Crew, Watch_Dogs und Just Dance verantwortlich zeichnet) wollten erforschen, wie sich eine Figur mit dynamisch generierten Bewegungen fortbewegen lässt.

Funktioniert top, gelegentlich muss man jedoch etwas vorausschauend zocken, da B.U.D. nicht auf Kommando zum Stillstand kommt und gerne ein zwei Schritte mehr macht, als man gerne hätte. Die Kamera kann mit dem rechten Stick justiert werden, ein Klick zoomt aus der Karte heraus und gibt einen besseren Überblick. Wer beim Klettern die Schultertasten immer im Anschlag hat ist auf der sicheren Seite, wer versehentlich einmal loslässt wenn er kopfüber in einer Felsspalte hängt, der wird wohl oder übel abstürzen.

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Mit den Schultertasten bewegt man den linken bzw. den rechten Arm von B.U.D. und kann somit per wiederholtem Drücken durch die Spielwelt klettern. Hier sei gesagt: Wer nach einer Klettersimulation sucht, ist mit Grow Home bestens bedient. Während es vom Mistkübelauto-Simulator über den Ziegen-Simulator bis hin zum Kran-Simulator nahezu alles als lebensechte Nachbildung im Handel gibt, wurden die Klettermaxe bis dato nicht fündig. Die Open World in Verbindung mit dem superlieben Protagonisten und seiner Fähigkeit, an allen Oberflächen herumzuturnen, lässt nicht nur das Herz von Freeclimbern, Bergsteigern und Urban-Bouldering-Fans höher schlagen und selbst „Cliffhanger“ Sylvester Stallone eifersüchtig werden.

Grafisch ist das Spiel schlicht unterwegs und orientiert sich an der Low-Poly-Philosophie, also mit sehr wenigen Polygonen und eher kantigem Look. Das macht aber gar nichts, denn das Herzstück ist ohnehin das Klettern und Vorantreiben des Rankenwachstums. Und euer Rechner wird dennoch ordentlich blasen, da die Engine wie gesagt möglichst lebensecht die Bewegungen des kleinen Roboters generiert.

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Das Kuriose zum Schluss: Es gibt weder ein Tutorial, noch wird großartig um den heißen Brei herumgeredet, was man denn nun eigentlich in diesem Spiel zu tun hat. Das große Ziel, den Starplant-Samen zu finden, ist von Beginn an klar definiert. Kleine Hilfestellungen und Nebenmissionen bekommt B.U.D. von Bordcomputer M.O.M. übermittelt, der den Robo gerne auch lobt und mit netten Sprüchen das dialogarme Geschehen aufmuntert. Bis zum Ende der Bohnenranke in rund 2.000 Metern Höhe ist man zirka fünf Stunden beschäftigt. Hört sich nicht nach Viel an, aber es gäbe ja noch wie gesagt Nebenmissionen und die Kristalle, die man einsammeln kann – aber nicht muss. So ist es mir passiert, dass ich das Spiel durch hatte und erst zum Schluss merkte, dass ich die allererste Quest gar nie absolvierte. Egal, dafür sorgt das Kristallsammeln für den ein oder anderen Schweißtropfen, denn die sind gerne an den unmöglichsten Stellen und Höhlen im Spiel versteckt und erfordern gefinkeltes Schultertastendrücken und die Aktivierung eurer grauen Grübelzellen.

Kleiner Feel-Good-Wonneproppen

Auch wenn sich das eben Geschriebene für Viele wohl nicht fordernd liest, so besticht Grow Home mit niedlicher Optik, einem kleinen Helden zum Liebhaben (seine Farbe bzw. seine Skins kann man übrigens jederzeit ändern, es gibt also nicht nur die rote Standard-Auführung die ihr auf den Screenshots seht) und lässt Ruhe in euren Köpfen einkehren. Mir hat der kleine Daddelspaß echt gut getan! Wer ein kleines Wohlfühl-Jump’n’Run sucht, ist mit diesem kleinen Gustostück bestimmt glücklich.

Erhältlich ist der Ubisoft-Titel für PC via Steam um € 7,99. Mehr Infos bekommt ihr auf der offiziellen Homepage.

 



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