MARIO PARTY 10: Nintendo lädt zum Abfeiern auf die Wii U

Review


MARIO PARTY 10: Nintendo lädt zum Abfeiern auf die Wii U

Hach, Mario Party. Am 8. März 1999 wurde der erste Ableger des Minispielsammlers für den Nintendo 64 in Europa auf den Markt gebracht, ein paar Wochen später lag das Game hochoffiziell in meinem Osternest. Bereits wenige Tage später waren meine Hände einbandagiert und dieses Schicksal teilte ich mit geschätzt 80% der männlichen Schülerschaft in der Klasse. Dieses Spiel hatte alles: Geile Optik, ein neuartiges „Mario“-Konzept und bitterböse Minispiele, die – abseits von Mario Kart – unsere Freundschaften auf die Probe stellten. Fast genau 16 Jahre später kommt der nunmehr 14. Teil der Gesamtreihe, bzw. der erste Teil der Serie für die Wii U.

Die Wii U. Ein Gerät, das lange Zeit beim Großteil seiner Besitzer verstaubte und erst seit einem gefühlten Jahr wirklich im Dauergebrauch ist. Bei mir zumindest. Spielen wie Super Mario 3D Land und nicht zuletzt Super Smash Bros. ist es zu verdanken, dass die Konsole doch noch ihren Zweck erfüllt – Mario Kart 8, Captain Toad Treasure Tracker und Hyrule Warriors müssen der Vollständigkeit halber noch erwähnt werden. Vom Prinzip her eine geniale Plattform für eine Serie wie Mario Party. Ein zusätzlicher Bildschirm zum „in die Hand nehmen“, Touchscreen und neuerdings auch kompatibel mit den Amiibo Sammelfiguren. Herz was willst du mehr?

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Supercool! Aber irgendwie auch meh …

So das Prinzip, die Realität sieht ein bisschen anders aus. Mario Party 10 ist ein zweischneidiges Schwert. Persönlich habe ich mich in den ersten Tagen wirklich in die Zeit zurückversetzt gefühlt, wo Mario Party für mich noch ein völlig neues Franchise war. Zig Jahre – und 13 weitere Mario Party-Teile – später muss man aber gestehen, dass diese IP ein bisschen fad geworden ist. Okay, man kann sich nicht erwarten, plötzlich nicht mehr dieses virtuelle Brettspiel serviert zu bekommen und mit komplett neuen Mechaniken verwöhnt zu werden, aber zumindest ein Best-of der coolsten Features aus 16 Jahren Markerfahrung wäre drinnen gewesen. So z.B. dass man die Spielfiguren wieder getrennt voneinander bewegen könnte. Oder Minispiele mit Nunchuk-, Classic-, Game Cube- bzw. Touch-Controller Einbindung. Oder die Tatsache, dass es auch noch weitere Charaktere als die fünf üblichen Verdächtigen gibt … Versteht mich nicht falsch, ich liebe dieses Spiel so heiß, wie ich seit dem ersten Teil keines der Reihe mehr gemocht habe. Aber im Detail betrachtet ist es ein bisschen mühsam mit dem Titel. Ich verrate euch warum:

Andere „rausschmeißen“

Was sorgt seit eh und je für mächtig Zündstoff bei Brettspielen? Richtig, das „Rausschmeißen“. Soll heißen, dass bereits die Oma den Opa bei Mensch ärgere dich nicht vom Spielfeld gefegt hat, wenn ihre Figur auf demselben Feld zu stehen kam wie seine. Na bumsti, da ist dann gehated worden! Könnt ihr euch an solche Sessions nicht erinnern? In Mario Party war das auch mal so. Oder zumindest gab es so etwas wie ein „Einzelschicksal“. Dann nämlich, wenn man mit SEINER Figur auf einem Buh Hu-Feld zu stehen kam und einem seiner Mitspieler wertvolle Sterne stehlen konnte. Oder wenn man SELBST daran schuld war, wenn man auf einem Bowser-Feld landete. Schön wär’s gewesen, bei Mario Party 10 sitzt man aber quasi wieder in einem Boot mit seinen Mitstreitern.

Man bewegt sich im Team in einem Wagen über ein recht großes, lineares Spielfeld und hat am Ende der Runde das typische Minispielvergnügen. Manchmal werden diese auch während einem Spielzug ausgelöst, aber das ist eher selten der Fall. Grundsätzlich: Mir kommt es so vor, als würde man trotz der ansehnlichen Größe der Spielbretter viel zu wenig Zeit mit den eigentlichen Spielen verbringen. Das ist schade, denn darum soll es ja gehen.

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Damals haben die Hände geblutet

Gehen wir weiter zu den Spielen selbst. Back in the days war es einfach so: Deine Hände haben geblutet! Der Analogstick des N64 verschmolz quasi schon beim Einlegen der Kassette mit deinen Griffeln und nach etlichen Stunden vor der Flimmerkiste hat man ausgesehen, wie der Messias höchstpersönlich – mit den passenden Stigmata auf den inneren Handflächen. Mario Party 10 macht das anders und entschärft solche Nebeneffekte, denn gespielt wird ausschließlich mit der Wiimote. WEDER muss ein Nunchuk verbunden werden, NOCH besteht die alternative Steuerungsmöglichkeit über den Classic bzw. den Game Cube Controller. Auch das Gamepad kommt nicht zum Einsatz, dabei wäre doch das ein oder andere Touch-sensitive Spiel aufgelegt gewesen? Naja, „schade“ irgendwie.

Wer jetzt glaubt, dass man mit der Mote lustige Dinge zeichnen oder anklicken muss, der irrt ebenso. Die Fernbedienung verweilt bei den Spielchen meist in der Waagerechten in den Händen, gesteuert wird mit dem Steuerkreuz, mit den Tasten 1 und 2 wird gehüpft, geschlagen, gerollt, Gas gegeben usw. Hmmm, also wird diese Bewegungssteuerungsfernbedienung wie ein Classic Controller verwendet? Ja! Ein paar ganz wenige Games benötigen die Kipp-Funktion, das funktioniert aber eher schleißig. So z.B. bei dem Klassiker unter den Games, wo die Figuren auf Kugeln balancieren und sich gegenseitig von einer Plattform schubsen müssen. Lichtblicke bringen hingegen die Bosskämpfe, wo man in klassischer Jump’n’Run-Mario-Manier gegen einen dicken Obermotz antritt und auch im Team denken muss, um diesen zu bezwingen.

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Einmal der Böse sein

Das Gamepad bekommt im Party Modus leider nur eine Rolle zugeteilt: Man sieht, wann Bowser aus seinem Gefängnis ausbricht. Sind alle Zahlen von eins bis sechs einmal gewürfelt, büxt der Echsenkönig aus und macht euch Feuer unterm Hintern. That’s it. Anders dafür im Bowser Modus, wo ein Spieler die Rolle von Marios Erzrivalen übernimmt und sich gegen seine Freunde stellt. Der ideale Spaß also, wenn in eurer Crew ein Einzelgänger dabei ist, oder jemand waghalsig genug ist, sich in (ziemlich unausgeglichenen) Minispielen mit bis zu vier humanen Kontrahenten anzulegen. Warum unausgeglichen? Bowser hat meistens die Hosen an und seine Minigames sind hundsgemein – für seine Mitspieler! Im Idealfall kann man bereits im ersten Spielzug all seinen Kumpels sämtliche Herzen vom Pluskonto wegradieren und somit das Spiel für sich entscheiden.

Wie bereits oben erwähnt, sind die Spielbretter schön anzusehen, strotzen nur so vom Mario-typischen Charme, den knallbunten Farben und der catchy Musik, aber man bewegt sich linear und ohne große Überraschungen, von A nach B und C, hin und wieder zurück auf A. Über schnelle Spielfelder (ca. 15 Minuten) bis hin zu ausgiebigeren Brettern (gerne auch einmal über eine Stunde!) ist alles dabei, aber summa summarum leider nur fünf an der Zahl – im Bowser Modus stehen überhaupt nur drei Bretter zur Auswahl.

Amiibos und sonstige Extras

Was wäre ein Spiel von Nintendo heutzutage, ohne die Integration der Amiibo Sammelfiguren – oder wie ich sie nenne: Gelddruckmaschinen. Ich liebe diese Dinger! Anfangs war ich skeptisch, mittlerweile habe ich aber schon über € 300,- in die schlecht produzierten Plastikhelden gesteckt die ihren Zweck eigentlich so gar nicht erfüllen. Aber ich liebe sie trotzdem! Dieses Phänomen an dieser Stelle zu ergründen würde den Rahmen sprengen und demnächst in einem eigenen Artikel durchgenommen, Fakt ist: Big N bringt Merchandise auf den Markt und die Leute kaufen die Lager leer.

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Amiibos lassen sich auch bei Mario Party 10 nutzen, in einem eigenen Modus wo man dann wirklich auf einem „Mensch ärgere dich nicht“-Spielfeld daddelt und das ursprüngliche Mario Party-Flair von anno ’99 in einer ganz ganz leichten Form wieder verspürt. Großer Kernpunkt an dieser Stelle ist, dass man das Spielbrett je nach den aktiven Spielzeugfiguren entsprechend umdesignen kann. Während bei Donkey Kong Dschungeloptik und Bananenberge zum Einsatz kommen, verzaubert Rosalina das Pilzkönigreich in eine Weltraumkulisse. Zusätzlich kann man das Aussehen der Sockel auf denen sich die virtuellen Amiibo bewegen ändern und spezielle Items auf seine Helden bespielen. Alles supercool, seit den „Skylanders“ aber nicht mehr innovativ. Und das allergrößte Manko: Hat man seine Helden bereits mit einem anderen Spiel mit Amiibo-Support verküpft, muss der darauf gespeicherte Spielstand überschrieben werden. Es ist also NICHT möglich seinen Yoshi aus Smash Bros. auch in Mario Party 10 zu verwenden. Blöd für jeden, der das Spielzeug also zum Spielen und nicht bloß zum Ansehen sammelt. Aber der gute Punkt: Nintendo bringt gerade eine zweite Welle der Mario Party-kompatiblen Amiibos heraus! Mario, Luigi, Peach, Bowser, Yoshi und Toad 2.0 quasi.

Ein paar freischaltbare Gimmicks gibt es freilich auch noch. Neben eben genannten Charakteren zählen noch Donkey Kong, Wario, Waluigi, Prinzessin Daisy und Rosalina zu den Standardfiguren. Toadette und Spike lassen sich freispielen. Genauso wie unzählige neuen Wägen in den diversesten Variationen (das Gerät also, in dem man sich über das Spielfeld bewegt), Musik, Bilder und einen extra knackigen Schwierigkeitsgrad für die KI-gesteuerten Figuren. Eher unnötiger Kram. Bezahlt wird übrigens mit Ingame-Währung. Und weil die Extras so billig sind und man so schnell an Münzen kommt, hat man zumindest die beiden Zusatzfiguren bereits nach dem ersten Spieleabend gekauft – alles andere ist eh nicht notwendig. Echtgeldtransfers fallen zum Glück (noch) nicht an, wer jedoch eins und eins zusammenzählt weiß, was hier noch an Amiibos auf uns zukommt. Ich sehe meine Kreditkarte bereits brennen …

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Muss man auf Mario’s Party vorbeischauen?

Alles in allem liest sich das eben geschriebene zugegeben weniger prickelnd. Die Minigames sind keine große Offenbarung, das „Seinen Freunden die überwertvollen Sterne fladern“ wurde auf ein Minimum reduziert und Funktionen wie „Gamepad“ und „Amiibo“ kommen gar nicht bzw. sehr unhandlich zum Einsatz. So würfelt man beispielsweise im Amiibo Modus, indem man seine Figur auf den NFC-Sensor des Gamepads stellt und anhebt – jedesmal, in jeder Runde, von jedem Spieler. Was sich jetzt nach einem kommunikativen Nebeneffekt anhört, artet bald zum Herumgesudere aus, weil das Gamepad irgendwann nur noch lieblos von einem Spieler zum nächsten gereicht wird, der dann zwischen Wiimote, Gamepad und Plastikfigur in den Fingern gar nicht mehr weiß, welches Gerät eigentlich noch welchen Zweck erfüllt.

Wer Mario Party bisher nicht kannte wird seine Freude haben, allem voran Kids, die noch keine großen Erfahrungen mit Videospielen gemacht haben. Zumindest den sagenhaft schlechten Vorgänger Mario Island Party übertrifft dieser Titel bei Weitem – größtes Trostpflaster auch für die alten Hasen unter euch. All Jene, die die Serie zum nunmehr 14. mal durch die Mangel nehmen, werden Neuerungen fehlen, die auf der Generation der Wii U mit Leichtigkeit umsetzbar gewesen wären. Mario-Fans der ersten Stunde werden den Titel ohnehin in ihre Sammlung stellen. Wirklich empfehlen kann ich das Werk dennoch den Amiibo-Sammlern, denn anders als bei Super Smash Bros. kann man jetzt endlich auch aktiv mit seinen Spielzeugen in Kontakt treten. Dabei gilt jedoch: Nicht den Kopf in den Sand stecken, denn es geht alles nur zieeemliiich laaangsaaam vonstatten und ja, wie gesagt: Mehr als eine Spieldatei pro Amiibo wird auf dem kleinen Speicher der Figur nicht unterstützt! Für die größeren Kinder eignet sich der Titel immer noch als ultimatives Trinkspiel, wie es sich dann jedoch spielt kann ich nicht beurteilen.

Mario Party 10 von Nintendo ist exklusiv für Wii U im Handel erhältlich. Mehr Informationen zum Spiel findet ihr auf der offiziellen Homepage.

 



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