SLIPKNOT melden sich mit „The Negative One“ zurück!

TRAX


SLIPKNOT melden sich mit „The Negative One“ zurück!

Die maskierten Metal-Helden geben nach hübsch genau sechs Jahren Studioabstinenz wieder ein Lebenszeichen – in Form eines brandneuen Tracks – von sich. Eigentlich klingt alles so wie immer und das obwohl Bassist Paul Gray vor vier Jahren das Zeitliche segnete und auch Schlagwerker Joey Jordison aus der Band geschmissen wurde. Anyway, plötzlich hat alles wieder einen leichten Touch von 1997 und scheinbar ist’s nicht mehr peinlich, diese Band noch zu mögen …

Lang lang ist’s her …

Kryptische Worte im Vorspann, aber die gebühren wohl keiner Band so sehr wie den 90er-Nu-Metal-Urgesteinen von SLIPKNOT. Ich erinnere mich zurück: Gymnasium, jeder versucht seinen (musikalischen) Weg zu finden und ich bin als kleiner dicker Bub gefangen zwischen Blink-182 und Slipknot. Beides sehr leiwand – für die damalige Zeit – heute geniere ich mich ein bissl. Das war die Zeit, in der es auch noch cool war, die – hauptsächlich in Schwarz gehaltenen Klamotten – via EMP zu bestellen. Eine Zeit, in der besagter Mailorder noch Bongs im Sortiment hatte und man sich gar synthetischen Grasersatz per Post zustellen lassen konnte, ohne dass die Polizei bei einem auf der Matte stand. Jo, schön war die Zeit. Und als „Metalhead“ hing man damals zu 90% der Zeit im Benjamin’s oder in der Steinzeit am Schwedenplatz ab. Soviel dazu, warum ich ein paar Zeilen weiter oben geschrieben habe, dass man sich für diese Zeit ein bisschen schämen muss. Ist eigentlich so, wie wenn man heute zugibt, um 2006 herum, ernsthafter Fan von LORDI gewesen zu sein – ich rede jetzt rein innerhalb der Metal- und Hard-Rock-Branche. Aber seid gewiss, wenn ihr in ein paar Jährchen kapiert, dass BRING ME THE HORIZON eine der größten Scheißbands des Planeten ist, fühlt ihr euch genauso 😉

SlipknotBand2008Slipknot in neunköpfiger Vollbesetzung, anno 2008 („All Hope Is Gone“)

Gut 14 Jahre nach dieser Selbstfindungsphase stehen wir hier und es hat sich einiges getan. Die Metaller von damals hören Dubstep, das Benjamin gibt’s seit der Jahrtausendwende nicht mehr und die Kleidung hat sich von Bandshirts hin zu „normalem Alltagsgewand“ entwickelt – ganz so wie sich Mutter ihren Prachtjungen anno dazumal vorstellte. Slipknot-Bassist Paul Gray verstarb 2010 und auch hier merkte man, dass die anfänglich so harten Hunde aus der Band in Wahrheit ein verdammt weiches Herz haben. Ich erinnere mich wie gestern an diese Pressekonferenz, wo die versammelte Mannschaft unmaskiert dasaß und über ihren toten Kumpel sprach, der ein oder andere hat sogar eine Träne vergossen. Ziemlich menschlich und wieder ein Zeig dafür, dass wir uns wohl alle irgendwann einfach nur noch Masken aufsetzen, um dem Alltag zu entfliehen, oder unsere gebrechliche Seite vertuschen wollen. Als dann letztes Jahr auch noch Schlagzeuger Joey Jordison aus der Band geschmissen wurde, befürchteten viele das endgültige Aus der – zu diesem Zeitpunkt – achtköpfigen Kapelle aus Des Moines, Iowa.

Once a Maggot, always a Maggot!

Jetzt melden sich die verbliebenen Burschen zurück und bringen – trotz ihren ganzen Sideprojects – als geschlossene Formation „Slipknot“ einen brandneuen Track heraus. „The Negative One“ nennt sich das Stück und es hört sich so an, als wäre die Zeit seit 1999 stehen geblieben. Weder der Verlust vom Basser, noch vom Schlagwerker ist wirklich spürbar und ich sage das, als ehemaliger Slipknot-Maggot – wie sich die Fans ja bezeichnen. Ein routiniertes Brett mit den A-typischen Elementen, die einen Slipknot-Song nun mal ausmachen. Die unverkennbare Stimme von Corey Taylor (STONE SOUR) gepaart mit New-Metal-Gitarrenriffs, brachialen Schlagzeug-Gewittern und Percussion-Beigaben, die 90er-Turntable-Scratches und eine Bassline, die eigentlich bis zum Tod von Paul nie tatsächlich zum Tragen kam.

„The Negative One“ ist natürlich nur der Vorbote eines neuen Albums, das, laut Eigenaussage der Combo, irgendwo zwischen „Iowa“ und „Vol. 3: The Subliminal Verses“ angesiedelt sein soll. Das Experiment könnte glücken, denn der neue Song schnalzt schon mal gewaltig. In Form eines Full-Lenghts könnten die Jungs damit vielleicht tatsächlich ihr bisher bestes Werk rausbringen. Man darf gespannt sein …

Conclusion

Die Burschen sind zurück und sind einfach so wie immer. Ich kann nicht mehr darüber sagen. Weder das Fehlen von Joey Jordison, noch die Abstinenz von sage und schreibe sechs Jahren (so man das Best-Of-Album nicht miteinbezieht) sind wirklich spürbar. Einerseits muss man ja sagen, dass das verdammt selten ist! Denn wenn ich mir heute z. B. die neuen Werke von Blink-182 anhöre, kommt mir wirklich das Speiben. Fans der alten Slipknot-Schule werden einfach nicht enttäuscht, all jene, die im Herzen noch in den 90ies stecken und ihre EMP-Klamotten seit damals mit Würde tragen, werden sich einen Haxen ausfreuen, endlich wieder neues Futter von ihren Idolen zu bekommen und all jene, denen es peinlich ist, sich 2014 noch als „Maggot“ zu outen, bekommen die gnadenlose Dosis der einzig wahren Nu-Metal-Band dieses Planeten zu spüren!

SlipkontTheNegativeOne_cover

Klare Hörempfehlung für Fans der ersten Stunde und Nostalgiker – und aber auch für Kiddies der Next-Generation, die vielleicht ein bisschen daran interessiert sind, was damals so in unseren CD-Playern rotiert ist 😉

Übrigens, was ich aber sehr wohl zugeben muss: SLIPKNOT ist immer noch eine der unberechenbarsten und brachialsten Live-Bands die man sich unbedingt zumindest einmal im Leben gegeben haben sollte! Extrem selten die in unseren Breitengraden zu erleben (und ich rede jetzt nicht von STONE SOUR, WEDNESDAY 13 oder den MURDERDOLLS) und eine absolute Empfehlung. Ja ja, das Aerodrome Festival ist mittlerweile auch zehn Jahre her. Verdammt, ich bin alt …

 



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