Schwarz blüht der Enzian: Rock-Opa HEINO covert sich auf seiner neuen CD selbst!

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Schwarz blüht der Enzian: Rock-Opa HEINO covert sich auf seiner neuen CD selbst!

Volksmusiker Heino sorgte bekanntlich vor einem Jahr mit seiner außertürlichen Platte Mit freundlichen Grüßen für Furore. Der Grund: Er interpretierte – mir nichts, dir nichts – zwölf Lieder aus der deutschen Pop-, Hip-Hop- und Rock-Szene. Da staunten Peter Fox, Die fantastischen Vier, Nena und Rammstein nicht schlecht, als der Schlagerbarde mit der Sonnenbrille (Anm.: die trägt er nicht weil er heimlich nach Frauen im Publikum spechtelt, sondern aus gesundheitlichen Gründen!) ihre Songs coverte. Während, überraschenderweise, Schwergewichte wie Till Lindemann von Rammstein oder Campino von den Toten Hosen die Aktion ziemlich lässig fanden, bitchten Die Ärzte und Sportfreunde Stiller ziemlich herum, weil sich der Heino die Scheiben sprichtwörtlich „eingnaht“ hat. Tja, Pech aber auch … Ich bin „Team Heino“ und jetzt legt er mit seinem zweiten rockigen Album nach – auf dem er dreizehn seiner EIGENEN Oldies frisches Leben einhaucht!

Zugegeben, Heino ist kein Lil‘ Wayne und er hat bei einem Großteil von euch auch garantiert keinen Weg auf die MP3-Player gefunden. Das hat er auch nicht nötig, denn der Interpret hinter „Blau blüht der Enzian“ (ich hoffe jetzt schwer, dass mindestens 70% der Leser diesen Evergreen kennen!?) will mit seinen 76 Jahren die Welt einfach nur noch brennen sehen. Wortwörtlich. Seit der Cover-Aktion von 2013 gilt er auch in jüngeren Generationen als supercool, durfte sich gar die Hauptbühne am Metal Open Air Wacken zusammen mit Rammstein teilen und versteht’s, seine Hater zu provozieren. Kurzum: He came in like a Wreckingball! Ganz ehrlich, wer sich davon angegriffen fühlt muss ein fester Trottel sein. Da würden mir schlagartig andere Künstler einfallen, die weitaus mehr Vorbildfunktion für die Kids übernehmen sollten …

Heino_SbdE_CD

Release: 12. Dezember 2014
Label: Sony Music / Starwatch Entertainment

Tracklist:
01. Intro erst recht
02. Schwarz blüht der Enzian
03. Ja, ja, die Katja, die hat ja
04. Rosamunde
05. Wir lagen vor Madagaskar
06. Jenseits des Tales
07. Einer von uns
08. Die schwarze Barbara
09. La Paloma
10. Komm in meinen Wigwam
11. Schwarzbraun ist die Haselnuss
12. Hoch auf dem gelben Wagen
13. Jetzt erst recht

Lindner, Mross und die „Herzbuben“ als Rocker

„Der Kuschelkurs ist vorbei. Jetzt hau’ ich nochmal auf die Pauke“, verlautbart Heinz Georg Kramm (so Heinos bürgerlicher Name) im Talk und wirft morgen, am 12. Dezember 2014, seine zweite Rock-CD in die Läden. Schwarz blüht der Enzian nennt sich der Silberling, dem ich an dieser Stelle ebenfalls wieder einen gelungenen Charteinstieg prophezeie – das Vorgängerwerk schaffte mühelos den Top-1-Einstieg und brach Download-Rekorde! Die wohlbekannte Stimme, in Kombination mit den gelernten Melodien der Klassiker (so frei bin ich jetzt, kennen sollte man die Tracks schon …), sorgen mit den neuen, härteren Klängen für spannende Kontraste. Sei es „La Paloma“, „Rosamunde“ oder der Titeltrack über den „Enzian“.

Heino_SbdE_header

Zu Letzterem gibt’s auch schon ein offizielles Musikvideo und ich muss zugeben, dass dieses mehr als nur gelungen ist! Darin zu sehen ist nicht nur Heino, der einen auf Christopher Lee macht und die mit Pyrotechnik ausgestattete Bühne des Berliner Club Lido zum Beben bringt, nein, Kenner der Szene werden etliche Schmanker’l entdecken: Da sehen wir z. B. die Wildecker Herzbuben Wolfgang Schwalm und Wilfried Gliemmit als Security-Männer vor der Bühne werken, die aufpassen, dass es dem adrenalingepumpten Senioren-Publikum nicht die Herzschrittmacher z’reißt. Das Schlagzeug wird vom mit Fake-Tattoos ang’hiaselten Gotthilf Fischer zerlegt (das war gemein, ich geb’s zu!), während Stefan Mross seine babyblaue Stratocaster würgt und Patrick Lindner in die Bass-Seiten haut. Ganz echt: gab es so ein geniales Schlager-Musikvideo schon einmal?!

Nicht nur, dass die illustre Runde sich selbst aber sowas von auf’s Korn nimmt, nein, es ist eben die Konstellation der Figuren, die wohl in der gesamten Musikbranche ihresgleichen sucht. Da spürt man nichts vom „Musikkrieg der Genres“ und wenn selbst Rammstein sich den Rock-Opa für ihre Rock-Oper on stage bitten, muss man das achten. Chapeau! 

Zum Verständnis: Ich bin als Österreicher in einer musikalischen Familie aufgewachsen und mit Schlager groß geworden. Namen wie Stefanie Hertel, Die Kastelruther Spatzen, Karl Moik, Hias, Andy Borg und/oder Florian Silbereisen klingeln bei mir sehrwohl durch, dass ich mich heute freilich nicht unbedingt zum Kernpublikum zähle, muss ich an dieser Stelle zu meiner Verteidigung sagen. Wobei, ist „Verteidigung“ das richtige Wort? Eigentlich finde ich es sehr schade, dass man mit Schlager und Volksmusik immer etwas Nervtötendes verbindet für das man sich dafür „schämen“ muss. Vielmehr sehe ich es als eine wichtige Form unseres Kulturguts, mit dem sich auch nachfolgende Generationen – ganz ehrlich – eher auseinadersetzen sollten, als mit amerikanischen Rap-Idolen und Bühnenschlampen. Aber das ist ja nur meine bescheidene Meinung. #stolzdrauf

 



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