Tom DeLonge stellt vermeintlichen Blink-182 Song auf YouTube!

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Tom DeLonge stellt vermeintlichen Blink-182 Song auf YouTube!

Die Band Blink-182 und ihre Mitglieder haben so etwas, was ich eine On/Off-Beziehung nennen würde. Rückblickend auf die 90er hatten die drei Typen (Tom DeLonge, Mark Hoppus und Travis Barker) ihre schönsten Tage miteinander zusammen gelebt, seit den 2000er-Jahren treffen sie sich aber nur noch um sich gegenseitig zu ficken. Klingt harsch, ist aber so. Von der brüderlichen Liebe, oder gar dem räudigen Glanz, den diese Pop-Punks einst versprühten, ist nix mehr über. Vorbei sind die Zeiten, in denen eine ganze Generation unter dem Banner „Stay Together For The Kids“ die Fäuste in den Himmel streckten!

Es ist tragisch. Blink-182 ist meine absolute Lieblingsband. Und wenn ich ehrlich bin, muss ich den eben geschriebenen Satz auch gleich wieder korrigieren: Sie WAR meine absolute Lieblingsband. Blink hat mir nicht nur den ersten „richtigen“ Kontakt mit Musik beschert, mich aus der Lethargie von BRAVO HITS Samplern befreit, und dazu gebracht selbst zu musizieren, zu komponieren und meine Pubertät dank produktivem Jammen mit meiner Gitarre, nicht achtlos aus dem Fenster zu werfen, wie es einige meiner ehemaligen Kumpels getan haben. Blink-182 ist ein Meilenstein in meinem Leben und jeder der mich kennt weiß das.

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Wenn aus Freunden Feinde werden!

Was mich zutiefst erschüttert ist aber leider Gottes die Tatsache, dass Mark, Tom und Travis zu alten Grantlern geworden sind, die nicht mehr die Eier in der Hose haben, sich ihre Probleme ins Gesicht zu sagen, sondern die Drecksarbeit ihre Manager erledigen lassen. An dieser Stelle rolle ich das zugrunde liegende Trara nicht von vorne auf, Tatsache ist: während sich Bassist Hoppus und Schlagwerker Barker nach einer Aussprache mit Gitarrero DeLonge sehnen, will der patout nicht sein Maul aufmachen und kommuniziert über Mailverkehr – dem er seinem Agenten aufbrummt. Alter, bist du eigentlich ein restlos überbewertetes Arschloch geworden, oder was ist dein Problem? Du warst mal mein Vorbild! Und ich glaube, nicht nur für mich…

Ihre Texte mögen zugegeben oft mit Spatzi-Muschi-Humor gleichgesetzt worden sein, doch die wahren Perlen ihrer Diskografie haben meine Generation aufgerüttelt, so wie es eine Dekade zuvor ranzige Nummern wie Smells Like Teen Spirit gemacht haben – heute gelten diese Bands als Legenden und ihre drogensüchtigen (toten) Frontmänner als Götter. Blink waren sich dieser Tatsache bewusst, und ihre Mitglieder sind nach wie vor am Leben. So eine Ehre würden sich Kapellen rund um den Globus in ihrer ganzen Karriere wünschen, diese Band hat ihre Fans jedoch enttäuscht.

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Sideprojekte wie Angels & Airwaves, Box Car Racer oder +44 waren kleine Trostspender in einer Zeit, in denen wir uns alle einfach nur neues Material von den Burschen gewünscht haben. Und es hat funktioniert. In sämtlichen Konstellationen haben die Jungs zusammen wieder gespielt und es klang gut – Blink itself kam in dieser Form aber nie wieder retour. Ja, es gab ein Best-of-Album… Wow. So etwas als Comeback zu betiteln ist ja wohl ein Witz. Acht verdammte Jahre mussten wir auf „Neighborhoods“ (2011) warten, das Ergebnis war eine Katastrophe: ein chaotischer Mischmasch aus sämtlichen eben genannten Bands, aber nicht die Bohne Punk Rock!

Eine gute Band waren sie ja nie …

Eine Tour wurde angekündigt, und wie so oft wieder abgeblasen. Ich habe die Combo aus San Diego in ihren „Glanzzeiten“ live gesehen, in ihren „Wir versöhnen uns jetzt für ein Jahr wieder“-Phase zweimal. Dass die Band überbewertet ist muss sogar der hardcorigste Fan dieses Planeten zugeben, singen können weder Tom noch Mark und sein Instrument beherrscht Ersterer sowieso immer noch nicht. Du glaubst ich spinne? Wie kann AVA dann so klingen wie es klingt, willst du wissen? Geh auf ein Konzert, dann wirst du es wissen. Angels & Airwaves funktioniert (noch) und es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass auch du in den Genuss eines Tom-DeLonge-Trommelfell-Massakers kommst. Es ist schrecklich zu sehen, wie sehr diese Band von Effekten und Auto-Tunes lebt.

Eine neue Blink-CD hätte eigentlich heuer das Licht der Welt erblicken sollen. Es wäre ein Versuch gewesen, dieses zerstörte Bild neu einzurahmen. Vielleicht hätte man in ein paar Jährchen die alten Scherben vergessen. Doch soweit wird es nun wohl nie kommen. Blink-182 sind allem Anschein nach so zerstritten wie noch nie, die Fetzen fliegen und jeder Fan kann es auf Twitter und Instagram mitlesen, während die PR Agentur auf Facebook versucht, mit happy-peppy Meldungen von der Selbstenthronung abzulenken.Blink182UpAllNightVideo

Den Gipfel alles Bösen hat dieser Twist jetzt erreicht: Tom DeLonge – der Typ, zu dem ich einmal wirklich wirklich aufgesehen habe – bringt just in dieser stressigen Zeit ein neues Album heraus. Nein, kein weiterer Output seines Spaceprojekts AVA, sondern als Solokünstler. Und wir alle, die ehemaligen Loserkids und Blinkgetreuen, vermuten, dass er die neuen Demos verarbeitet, die eigentlich auch Mark und Travis hätten helfen sollen, Blink-182 zu dem zu machen, was sie für uns vor langer Zeit einmal waren.

Der neue Song hört auf den Namen „New World“ und verheißt einen Neustart. Einen Neustart, dem ich den Helden meiner Jugend nur zu gerne gegönnt hätte. Als Vergeltungsschlag gegen seine ehemaligen Freunde, will ich diese Nummer aber nicht gutheißen. Ich habe mir den Track angehört … und er ist gut! Es ist kein AVA, es ist ein bisschen +44 und Box Car Racer, und er hätte, mit dem entsprechenden Arrangements auch perfekt als Blink-Song der alten Schule durchgehen können. Mit dem Hintergedanken, dass dieses Lied aber unter Zeitdruck nur deshalb veröffentlicht wurde, um seinen Kumpels ins Gesicht zu spucken, habe ich leider jedlichen Respekt vor diesem Mann verloren. R.I.P. Blink, I guess this is growing up…

 



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