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Google Stadia: Here Comes a New Challenger

Google Stadia: Here Comes a New Challenger

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Google hat auf der diesjährigen GDC 19 in San Francisco mit Google Stadia, ihre ambitionierten Gaming-Pläne vorgestellt.

Das wichtigste zuerst. Google Stadia, ist keine neue Konsole, sondern eine Cloud-Gaming Plattform. Stadia, wird vorerst nur in Chrome-Basierten Browsern und Chromecast Ultras funktionieren. Nachdem das Spiel auf den Google-Server läuft, ist die Grafik auch extrem skalierbar. Zum Launch sollen die Games in 4K HDR in 60fps und in Zukunft sogar in 8K verfügbar sein. Der neue Cloud-Gaming Service wird auch stark mit YouTube oder besser gesagt mit YouTube Gaming verbandelt sein. Es wird möglich sein, dass Streamer, Zuseher direkt mit einem Link oder Button neben dem Video ins Spiel einladen können.

Es wird einen eigenen Stadia Controller geben, der meiner Meinung nach, wie eine Mischung des XBox One und Nintendo Switch Pro Controller aussieht. Zusätzlich, wird der Controller eine Google Assistant Taste besitzen, die neben den üblichen Fragen auch Hilfe bei Spielen geben kann. Hängt man an einer Stelle, kann man den Voice-Assistant nach Hilfe fragen. Dieser analysiert den aktuellen Frame im Spiel und findet ein passendes Walkthrough auf YouTube.

Wer keinen Bock auf den Controller hat, kann so gut wie jeden aktuellen Controller auch benutzen.

Google Stadia geht noch dieses Jahr in den USA, Kanada und weiten Teilen von Europa verfügbar sein.

Und hier noch die ganze Keynote in fünf Minuten zusammengefasst.

So, nachdem ich nun die wichtigsten Fakten aufgezählt habe, möchte ich meinen persönlichen Senf dazu abgeben.

Ich werde jetzt nicht die Technik, Software oder den Controller abnerden (das spare ich mir für einen anderen Post auf), sondern vielmehr die Chance nutzen, um meine Meinung zu Google Stadia und zu Cloud-Gaming im generellen loszuwerden. Also, are you ready? Here we go.

Mama, Papa, wo sind meine Spiele hin? Sohn, sie sind im Himmel in der Cloud.

Cloud-Gaming ist nichts Neues. Statt sich einen hochgezüchteten PC oder immer die neueste Hardware ins Haus zu holen, loggt man sich ins Netz ein, lädt ein Programm runter und startet einen Stream zu einem Server, auf dem das Spiel gehostet wird. Fertig! Eigentlich ganz geil. Eigentlich…, wenn da nicht eine nicht zu vernachlässige Komponente in der Gleichung wäre: Internet-Ausfälle.

Keine Ahnung, wie oft es bei mir schon vorgekommen ist, dass ich eine Partie zocken wollte, aber meine Internetleitung einen unangekündigten Streik einlegte.
Gut, shit happens, sagen jetzt die einen und ja, es ist auch verkraftbar.
Was mich viel mehr widerstrebt, ist die Tatsache, dass die Spiele nicht bei mir Lokal, als Disk, Modul oder Download lagernd sind. Es stört mich, dass ich bei Cloud-Gaming Diensten nicht zocken kann, wann ich möchte.

Das Absurde an dem Ganzen ist nur, dass es mich nicht stört, dass alles andere in der Cloud ist. Meine Musik bei Spotify und Apple Music, meine Filme und Serien auf Netflix und Amazon Prime oder meine Bilder auf Google Photos. Es stört mich auch nicht weiter, dass ich nicht alle Inhalte mein Eigen nennen kann oder in meinen eigenen vier Wänden habe.
Klar, die eine oder anderen CDs, DVDs oder Blu-Rays stehen bei mir im Regal. Verwenden tue ich diese jedoch eher selten.

Culture-Clash

Ich bin wirklich hin- und hergerissen. Einerseits finde ich diese Entwicklung ziemlich spannend, andererseits gebe ich zu bedenken, dass ein Teil der Gaming-Kultur damit verschwinden könnte. Musik Nerds haben Konzerte und Festivals, Filmjunkies haben Kinos. Und was haben wir Gamer in Zukunft? Keine Box, keine Datenträger, keine absurden Limited Edition Figuren. Nichts, außer einem Stream.

Und dennoch weiß ich, dass Cloud-Gaming die Zukunft ist und alle Zeichen in diese Richtung zeigen. Scheinbar hat nur jemand vergessen, dieses Memo an Microsoft weiterzugeben.

Microsoft hat einfach ein schlechtes Timing

Ich möchte gar nicht wissen, wie es gerade in der Microsoft Games Division abgeht. Nicht unbedingt, weil Google nun ins Cloud-Gaming Business einsteigt. Das war voraussehbar. Vielmehr das Microsoft mit einigen Entwicklungen viel zu früh und anderen zu spät dran waren und Google ihnen den Wind mit einem Schlag aus den Segeln genommen hat.

Drehen wir die Zeit ein paar Jahre zurück. Die großen Microsoft Execs stehen auf der Bühne und stellen ihr neues Baby vor. Die Xbox One. Eine Konsole, die immer online sein muss. Eine Konsole, bei der ein Spiel an die Hardware und einen User-Account gebunden ist und somit ein Tausch mit Freunden fast unmöglich macht.
Ein System, bei dem der Kauf eines Spieles nicht bedeutet, das Eigentum zu besitzen, sondern nur eine Lizenz erworben hat.
Eine Plattform, deren Sprachkommando nicht auf der Konsole, sondern auf Microsoft Servern verarbeitet wird.

So beschrieben hört sich das doch irgendwie seltsam aber bekannt an, oder? Vielleicht liegt es auch daran, dass viele dieser Themen heute zur Normalität gehören.

Lädt man sich ein Game von Xbox Live, PlayStation Network, Nintendo eShop, Steam, Epic Game Store und wie sie nicht alle heißen runter, kauft man sich nicht wirklich das Spiel, sondern least es auf unbestimmte Zeit. Das Spiel ist mit dem Account verbunden und kann nicht ohne extra Maßnahmen verliehen werden.
Und über die ständige Onlineverbindung brauche ich sicher nichts mehr zu sagen.

Viel Glück, Fortnite, Apex Legends, PUBG, The Division oder WOW offline zu zocken.
Klar, es gibt noch Single-Player Spiele. Die machen aber nicht annähernd so viel Kohle wie ihre Free-2-Play Kollegen.

Zurück in der Gegenwart angekommen, muss man einfach zugeben, dass sich Microsoft viel zu viel Zeit gelassen hat, um mit ihrem Project xCloud an den Start zu gehen. Wie sich der Dienst gegen Google Stadia oder PlayStation Now schlagen wird, bleibt abzuwarten.

PlayStation Now, G-Force Now oder diverse Nintendo Switch Ports von Resident Evil 7 oder Assassins Creed Odyssey nutzen bereits seit Jahren Cloud-Gaming Technologie. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Das Free-2-Play Eldorado

Aber es ist nicht alles düster und scheiße. Cloud-Gaming-Plattformen wie Stadia könnte uns Gamer eine aktuelle Entwicklung der Games-Branche erträglicher machen. Die Rede ist von „Games as a Service„. Damit sind im Prinzip alle Battle Royal Spiele, die meisten Online Shooter und jedes Free-2-Play Game gemeint.

Vorbei ist die Zeit, bei dem man sich einen Client herunterladen musste. Schluss ist die Zeit für die besten Visuals die beste Hardware besitzen zu müssen.
Aber ich denke, es geht noch weiter: Schluss mit der Zeit, sich ein €60.- Spiel zu kaufen, nur dass man von einem €93 Season Pass begrüßt wird (*hust hust* Dead or Alive 6). Oder was auch immer für Borderline kriminellen DLC und Lootbox Machenschaften von Activision und EA für Vollpreis-Spiele plant.

Das Thema „Games as a Service“, ist mir immer schon sauer aufgestoßen. Es kann dem Kunden nicht zumutbar sein, sich ein “Halb volles”-€60 Spiel zu kaufen und damit happy zu sein.

Wenn ich ein Produkt erwerbe, dann gehe ich davon aus, dass es vollständig ist und ich nicht zusätzliches Geld investieren muss, um die komplette Experience erleben zu können. Ich bestelle mir auch keine Cola ohne Kohlensäure. Kann man sie trinken? Ja. Ist es geil und erfrischend? Nicht wirklich.

So viel Bla-Bla, was ist also mein Problem?

Genau das weiß ich nicht. Vielleicht muss ich aufhören, mich mit meinen 32-Jahren wie ein Gaming-Pensionist anzuhören und mich daran zu gewöhnen, dass Cloud-Gaming die Zukunft ist.
Vielleicht finde ich es auch einfach nicht so leiwand, dass Google jetzt mitspielt. Auch wenn dieser Konzern, wirklich (und damit meine ich wirklich) alles über mich weiß, fuckt mich der Gedanke ab, dass Big-G weitere Daten über mich sammelt, währenddessen ich zocke.

Was mich definitiv nervt, sind die Google AI Tools wie Style Transfer ML, bei dem künstliche Intelligenz durch Machine Lerning quasi die Art Direction des Spiels übernimmt. Ich will auch nicht, dass Entwickler mehr oder weniger “unendlich” Ressourcen haben.

Meiner Meinung nach kann sich Kreativität erst richtig durch Limitationen entfalten. Ein Künstler braucht ein klar abgegrenztes Feld, auf dem er sich bewegen kann und konzentrieren kann.

Wie alle meiner Beziehungen ist der Status kompliziert. Will ich neue Hardware? JA! Will ich bessere Games? F*ck Yeah! Will ich das mehr Menschen Zugang zu Games haben? Hell Yeah! Will ich, dass Skynet meine Games gestaltet und beim zocken noch mehr Daten über mich sammelt nur um noch größer, reicher und mächtiger zu werden? Nicht wirklich.

Es bleibt aber spannend. Nachdem ich nun Skynet gedroppt habe und mir vorstelle, wie die KI unser Gameplay und Verhalten analysiert höre ich mir nun alle Alben von Sarah Connor an. Ja, es ist die falsche Sarah, aber ich brauche jetzt „From Sarah with Love“ um mich zu beruhigen!

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